Klimarisiken im Ausland wirken sich über internationale Lieferketten auf die Schweizer Wirtschaft aus. Welche Branchen sind am stärksten betroffen? Wie entwickeln sich Produktionsverluste bis 2060? Welche Klimarisiken verursachen die grössten Störungen in internationalen Lieferketten? Hier werden die wichtigsten Erkenntnisse dargestellt und Handlungsempfehlungen aufgezeigt.
Das Potenzial, dass Klimarisiken im Ausland zu hohen wirtschaftlichen Auswirkungen in der Schweiz führen, nimmt bei den meisten Ländern bis 2060 zu, vor allem bei solchen, die einer Kombination aus mehreren Gefahren stark ausgesetzt sind. Wie erwartet, ist der Anstieg bei einem Szenario ohne globalen Klimaschutz (RCP8.5) höher. Aber selbst in einem Szenario mit konsequentem Klimaschutz (RCP2.6) ist mit einem deutlichen prozentualen Anstieg der wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Schweiz zu rechnen.
Insbesondere im Szenario mit starkem Klimawandel (RCP8.5) könnte die Schweiz einen starken Anstieg der Produktionsverluste durch mehrere, wirtschaftlich relevante europäische Länder erfahren, darunter einige Nachbarländer.
Veränderungen in Nachbarländern sind besonders relevant, da sie zu den wichtigsten Handelspartnern der Schweiz gehören. Viele Schweizer Unternehmen beziehen von ihnen Rohstoffe, Komponenten oder Dienstleistungen und verkaufen ihre Produkte dorthin zurück.
Das heisst: Wenn dort klimabedingte Störungen wie Überschwemmungen oder Stürme auftreten, kann das die Produktion und Wirtschaft in der Schweiz beeinträchtigen. Solche indirekten Folgen sind heute schon spürbar und werden aller Voraussicht nach in Zukunft häufiger und gravierender. Deshalb ist es wichtig, bei der Anpassung an den Klimawandel und beim Klimaschutz auch die Entwicklungen im Ausland im Blick zu behalten.
Entwicklung der Produktionsverluste in der Schweiz bis 2060
Z. B. werden die Produktionsverluste in der Schweiz, die aus Klimarisiken in Russland resultieren, im Jahr 2060 um 200 – 300 % höher sein als heute.
Insgesamt sind die beobachteten Verschärfungen bis 2060 fast ausschliesslich auf Flussüberschwemmungen zurückzuführen. In beiden untersuchten Zukunftsszenarien nehmen ihre Häufigkeit und Intensität deutlich zu. Damit steigt auch die Zahl der Länder, in denen solche Ereignisse wirtschaftlich besonders starke Effekte auf die Schweiz auslösen könnten. Voraussichtlich werden Flussüberschwemmungen in Zukunft über alle Länder hinweg die höchsten indirekten Gesamtschäden in der Schweiz verursachen. Die durch europäische Winterstürme und tropische Wirbelstürme ausgelösten Schäden bleiben mit den heutigen Werten vergleichbar, da gemäss aktuellem Wissensstand deren Häufigkeit und Intensität nicht substanziell zunimmt.
Bereits heute zählen Flussüberschwemmungen zu den klimabedingten Gefahren, die die Schweizer Wirtschaft über internationale Lieferketten am stärksten beeinträchtigen. In vielen Ländern, mit denen die Schweiz wirtschaftlich eng verbunden ist, führen Überschwemmungen entlang von Flüssen zu Produktionsausfällen, unterbrochenen Lieferwegen und verzögerten Warentransporten.
Besonders kritisch sind Länder, in denen Flussüberschwemmungen häufig auftreten und zugleich starke wirtschaftliche Verflechtungen mit der Schweiz bestehen. In diesen Fällen können einzelne Überschwemmungen weitreichende Auswirkungen auf die Stabilität und Resilienz ganzer Wertschöpfungsketten haben.
Extremereignisse im Ausland können in bestimmten Jahren zu teils grossen Produktionsverlusten führen und so einzelne Unternehmen mit erheblichen Auswirkungen konfrontieren – durch die meist herangezogenen jährlichen Durchschnittswerte werden solche Ausschläge oft nicht sichtbar.
Fällt z. B. ein wichtiger Lieferant ganz aus, kann ein Unternehmen gezwungen sein, die Produktion einzustellen oder alternative Lieferanten zu suchen – mit entsprechenden betriebswirtschaftlichen Unsicherheiten.
Im Jahr 2024 waren Schweizer Unternehmen z. B. mehrfach von extremen Wetterereignissen und Naturkatastrophen im Ausland betroffen. So führten etwa Überschwemmungen in Südasien, Hitzewellen in Südeuropa und Stürme in Nordamerika zu erheblichen Störungen in internationalen Lieferketten und zu temporären Produktionsstopps. Diese klimabedingten Ereignisse wirkten sich – vor allem in ihrer Kombination und kurzen Abfolge – spürbar auf Umsatzentwicklungen, Kostenstrukturen und Zeitpläne von Schweizer Unternehmen aus. In einzelnen Fällen kam es zu deutlichen Umsatzverschiebungen innerhalb des Geschäftsjahres. Die Erfahrungen aus 2024 verdeutlichen, dass solche klimabedingten Störungen branchenübergreifend ein steigendes Risiko darstellen können
Indirekte Auswirkungen auf die Lieferketten von Schweizer Branchen
Die Schweizer Wirtschaft ist durch ihre starke internationale Verflechtung einem wachsenden Risiko indirekter Auswirkungen des Klimawandels ausgesetzt. Klimarisiken wie Flussüberschwemmungen, europäische Winterstürme und tropische Wirbelstürme in wichtigen Produktionsregionen können Auswirkungen auf verschiedene Schweizer Branchen haben – selbst wenn sich die Ereignisse weit entfernt abspielen.
Insbesondere der Grosshandel, die Pharma-Branche, die Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM) sowie die Bau-Branche sind über ihre Lieferketten von den globalen Klimarisiken betroffen. Auch die Lebensmittel-Industrie und die Landwirtschaft, die beide für die Schweizer Wirtschaft von Bedeutung sind, können über ihre Lieferketten betroffen sein. Die höchsten Verluste könnte die Textil-Industrie erleiden. Gesamtwirtschaftlich hat diese Branche in der Schweiz jedoch eine geringere Bedeutung.
Die Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM) zählt zu den wichtigsten Branchen der Schweiz. Mit einem Exportvolumen von rund 70 Mrd. CHF im Jahr 2023 macht sie über einen Viertel der Gesamtexporte aus. Ihre Rohstoffe, Halbfertigprodukte und Investitionsgüter bezieht sie vor allem aus Europa und Asien. Zu den Importen zählen Metalle, chemische Erzeugnisse, Maschinen, Computer und elektronische Produkte und Fahrzeuge.
Den grössten Einfluss auf die Schweizer MEM-Industrie haben klimabedingte Störungen des ausländischen Dienstleistungssektors und des verarbeitenden Gewerbes. Dieser Einfluss dürfte in Zukunft zunehmen, weil einerseits die Digitalisierung und Automatisierung in der Schweizer MEM-Industrie fortschreitet und diese in hohem Masse auf IT-Dienstleistungen, Logistik und Ingenieurswissen aus dem Ausland angewiesen ist, und weil andererseits die Klimarisiken im Ausland zunehmen werden.
Produktionsausfälle in der Schweizer MEM-Industrie durch gestörte Lieferketten

Z. B. verzeichnet die Schweizer MEM-Industrie im Szenario «Future 2» (2060, Szenario mit starkem Klimawandel, RCP8.5) die meisten klimabedingten Produktionsverluste durch Klimarisiken in Deutschland. Dies vor allem durch Störungen im Dienstleistungssektor (Service) und im verarbeitenden Gewerbe (Manufacturing).
Zu dieser Branche zählen Schweizer Anwaltskanzleien, Notariate, Rechtsberatungen, Buchhaltungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen, Unternehmensverwaltungen und Beratungsfirmen. Ihre Dienstleistungen sind vor allem wissens- und kompetenzbasiert. Die Branche ist für die Schweiz von Bedeutung, da sie fast 5 % der gesamten Schweizer Wirtschaftsleistung ausmacht.
Die Lieferkette der Dienstleistungs-Branche besteht hauptsächlich aus ausländischen Dienstleistungen, während Materialien und Produkte nur einen geringen Teil ausmachen (z. B. Büroausstattung wie Computer). Dementsprechend sind vor allem Ausfälle in der Dienstleistungs-Branche europäischer Länder für Produktionsverluste in der Schweiz verantwortlich. Diese werden gemäss den Auswertungen in Zukunft zunehmen.
Produktionsausfälle in der Schweizer Dienstleistungs-Branche durch gestörte Lieferketten

Z. B. verzeichnet die Schweizer Dienstleistungs-Branche im Szenario «Future 2» (2060, Szenario mit starkem Klimawandel, RCP8.5) die meisten klimabedingten Produktionsverluste durch Klimarisiken in Deutschland. Dies vor allem durch Störungen im deutschen Dienstleistungs-Sektor (Service) und zu kleinen Teilen im verarbeitenden Gewerbe (Manufacturing).
Die Schweizer Lebensmittelbranche und die Landwirtschaft sind stark auf Importe angewiesen – insbesondere bei Tierfutter, Saatgut, Düngemitteln und Grundnahrungsmitteln wie Reis oder Kaffee. Diese Importabhängigkeit macht die inländischen Branchen anfällig auf klimabedingte Ausfälle in den Anbauregionen im Ausland. Wegen des Klimawandels könnten direkte Ernteausfälle in den Anbauregionen – etwa durch Flussüberschwemmungen oder tropischen Wirbelstürmen – zu indirekten Produktionsverlusten in der Schweiz führen.
Tatsächlich verursachen direkte Auswirkungen auf die Landwirtschaft im Ausland die grössten Produktionsausfälle in der Agrar- und Lebensmittel-Industrie der Schweiz. Klimabedingte Störungen anderer Sektoren im Ausland – vor allem in Europa – können ebenfalls zu Produktionsausfällen beispielsweise im Dienstleistungssektor und in geringerem Masse im verarbeitenden Gewerbe führen.
Produktionsausfälle in der Schweizer Lebensmittelbranche und Landwirtschaft durch gestörte Lieferketten

Z. B. verzeichnet die Schweizer Lebensmittelbranche und Landwirtschaft im Szenario «Future 2» (2060, Szenario mit starkem Klimawandel, RCP8.5) die meisten klimabedingten Produktionsverluste durch Klimarisiken in Deutschland. Dies vor allem durch Störungen im deutschen Dienstleistungssektor (Service), dem Landwirtschaftssektor (Agriculture), dem verarbeitenden Gewerbe (Manufacturing) und zu kleinen Teilen im Versorgungssektor (Utility).
Die Schweizer Lebensmittelbranche und Landwirtschaft spielen eine wichtige Rolle in der Versorgungssicherheit. Heute funktioniert der Import kritischer Güter relativ zuverlässig. Ein zentrales Risiko könnte in Zukunft aber durch Güter entstehen, die nur aus wenigen Ländern importiert werden. So ist die Schweiz stark abhängig von Düngemitteln und Saatgut aus den Nachbarländern. Ebenso könnten bei Reis oder Kaffee klimabedingte Störungen die Versorgungssicherheit beeinträchtigen.
Die Pharmaindustrie ist sehr wichtig für die Schweiz. Sie ist stark abhängig von Importen: 70 % der benötigten Rohstoffe kommen aus der EU.
Heute und noch stärker in Zukunft sind Flussüberschwemmungen das grösste Klimarisiko für die globalen Lieferketten der Pharmaindustrie. Besonders betroffen sind Produktionsstandorte in Europa und Asien, wo viele pharmazeutische Vorprodukte hergestellt und Dienstleistungen erbracht werden.
Gegenüber heute nehmen die klimabedingten Verluste der Schweizer Pharmaindustrie pro Jahr im Zukunftsszenario mit moderatem Klimawandel (RCP2.6) um fast das Doppelte, im Zukunftsszenario mit starkem Klimawandel (RCP8.5) um mehr als Dreifache zu. Die grössten Verluste entstehen durch klimabedingte Störungen des ausländischen Dienstleistungssektors (Service) – als Bestandteil der Logistik, des Transports und der IT-Infrastruktur – und der verarbeitenden Industrie (Manufacturing), gefolgt von der Landwirtschaft (Agriculture), als Lieferant für Inhalts- und Rohstoffe.
Produktionsausfälle in der Schweizer Pharmaindustrie durch gestörte Lieferketten

Z. B. verzeichnet die Schweizer Pharma-Branche im Szenario «Future 2» (2060, Szenario mit starkem Klimawandel, RCP8.5) Produktionsverluste vor allem durch Klimarisiken in Deutschland. Dies vor allem durch Störungen im Dienstleistungssektor (Service) und im verarbeitenden Gewerbe (Manufacturing).
Bezüglich der Versorgungssicherheit mit Medikamenten ist zu erwähnen: In der Schweiz konzentriert sich die Branche zunehmend auf die Produktion hochspezialisierter Arzneimittel und weniger auf Medikamente für die Grundversorgung wie Antibiotika, Herz-Kreislauf-Medikamente, Schmerzmittel oder Insulin. Die Mehrheit dieser Medikamente für die Grundversorgung wird in Asien produziert – und zwar von nur wenigen Herstellern. Das hat die Lieferketten anfälliger gemacht. Störungen durch klimabedingte Extremereignisse können schnell zu Engpässen führen.
Bereits heute sind Versorgungsengpässe in der Schweiz häufiger geworden. Der Klimawandel könnte diese Herausforderungen weiter verschärfen, da er nicht nur die Lieferketten beeinflusst, sondern gleichzeitig auch die Ausbreitung von Krankheitserregern sowie Atemwegs-, Herz- und Kreislaufkrankheiten begünstigt und somit die Nachfrage nach Medikamenten erhöht.
Die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen wie Kupfer, Lithium und Seltenen Erden wird sich voraussichtlich drastisch erhöhen. Sie sind für Technologien der Energiewende unerlässlich und werden beispielsweise für die Herstellung von Elektrofahrzeugen, Windturbinen und Batteriespeichersysteme gebraucht. Ihre Beschaffung ist jedoch oft von geopolitischen Faktoren abhängig und mit Umweltbedenken verbunden. Zudem beschränkt sich ihre Herkunft auf wenige Länder.
Die Schweiz importiert hauptsächlich Halbfertigprodukte, anstatt Rohstoffe direkt zu beziehen. Zu den wichtigsten Importen zählen raffiniertes Kupfer für Maschinen, Phosphatprodukte für die Pharma- und Lebensmittel-Industrie sowie Magnesium und Titan für die Hightech-Industrie. Die meisten Materialien werden indirekt über die EU bezogen.
In absoluten Zahlen sind die höchsten Verluste aufgrund von Klimarisiken im Ausland in der Schweizer Pharmaindustrie, in den Bereichen Strom-, Gas- und Dampf-Versorgung sowie in der Klimatisierung zu verzeichnen. Die pharmazeutische Industrie ist in hohem Masse von importierten Rohstoffen abhängig – vor allem von Chemikalien. Die Stromversorgungs-Branche ist auf Bergbauprodukte angewiesen. Erhebliche Verluste gibt es auch in der Bau-Branche, der chemischen Industrie sowie bei der Herstellung von Computern sowie elektronischen und optischen Produkten. Alle diese Branchen sind in ihren Produktionsprozessen auf Rohstoffe angewiesen – zum Beispiel auf Stahl im Baugewerbe oder auf bestimmte Metalle für elektronischen Bauteile.
Relativ gesehen sind die höchsten Verluste in der verarbeitenden Industrie zu verzeichnen, insbesondere bei der Herstellung von Koks, raffinierten Erdölprodukten, Basismetallen und Chemikalien.
Produktionsausfälle in den Schweizer Branchen durch gestörte Rohstoffproduktion im Ausland

Z. B. verliert die Schweizer Branche zur Herstellung von Grundmetallen (Manufacture of basic metals) im Szenario «Future 2» über 0.022 % ihres Gesamtproduktionswertes.
Die wichtigsten Produzenten und Importpartner für kritische Rohstoffe

Versorgungsengpässe aufgrund von Klimarisiken im Ausland sind am wahrscheinlichsten bei Materialien wie Lithium, Seltenen Erden, Grafit, Titan und raffiniertem Mangan. Sie werden konzentriert in wenigen Ländern gewonnen, die physischen Klimarisiken ausgesetzt sind.
Handlungsempfehlungen
Wie sehr einzelne Unternehmen oder Branchen in der Schweiz von Klimarisiken im Ausland betroffen sind respektive künftig sein könnten, hängt von ihrer Art, ihrer spezifischen Lieferkette und der Substituierbarkeit der eingeführten Vorleistungen ab. Das können sie tun, um sich zu schützen:
Generell sollten Unternehmen Möglichkeiten zur Diversifizierung ihrer Lieferketten prüfen, um die Abhängigkeit von bestimmten Lieferanten zu verringern. Um die Widerstandsfähigkeit zu erhöhen, sollten sie ihre Zulieferer, falls möglich, auf verschiedene Länder und Regionen innerhalb der Länder verteilen – vor allem, wenn es sich um Länder handelt, in denen grosse klimabedingte Produktionsausfälle möglich sind. So lassen sich die Auswirkungen lokaler Störungen abmildern.
Die Industrie sollte die Abhängigkeit von einer einzigen Quelle minimieren, indem sie Netzwerke alternativer Lieferanten aufbaut, insbesondere für kritische Vorprodukte und Rohmaterialien.
Eine regelmässige Überprüfung und Bewertung der Klimarisiken kann dazu beitragen, Schwachstellen in Lieferketten zu erkennen, und es ermöglichen die Entwicklung von Notfallplänen. Vor allem wenn ein Unternehmen von einigen wichtigen Lieferanten abhängig ist, sollte es für diese spezielle Risikobewertungen durchführen.
Die Unternehmen sollten die wichtigsten Zulieferer in die Risikoüberprüfung einbeziehen, um Informationen über ihre spezifischen Risiken und Strategien zur Risikominderung zu erhalten.
Indem die Schweiz Handelspartner aktiv bei ihren Bemühungen zur Anpassung an den Klimawandel unterstützt, stärkt sie deren Widerstandsfähigkeit, was sich wiederum auf die wirtschaftliche Sicherheit der Schweiz auswirkt.
Da Gefährdungen wie Flussüberschwemmungen sehr lokal auftreten, sind Klimarisikobewertungen für spezifische Produktionsstandorte der Hauptlieferanten unerlässlich. Selbst in Ländern mit hohem Risiko sind nicht alle Standorte gleich betroffen. Umgekehrt können bestimmte Zulieferer in Ländern mit geringem Risiko schwerwiegenden lokalen Bedrohungen ausgesetzt sein. Um die spezifischen lokalen Gefährdungen zu erörtern, können z. B. Tools wie CLIMADA oder örtliche Wetter- und Klimadienste genutzt werden.
Klimarisiken sollten in die nationalen Strategien zur Versorgungssicherheit integriert werden, vor allem in den Bereichen Lebensmittel, Arzneimittel und kritische Rohstoffe.
Datengrundlage
Als Daten- und Berechnungsgrundlage des Projekts diente vor allem das Open Source Modell CLIMADA der «Weather and Climate Risk Group» der ETH Zürich. Dieses wurde im Rahmen des Projekts deutlich ausgebaut. Die neue, erweiterte Fassung steht als Open Source Code zur öffentlichen Nutzung zur Verfügung.
Um die wirtschaftliche Relevanz von Ländern und Branchen für die Lieferketten der Schweiz abzuschätzen, wurden MRIO-Tabellen (Multi-Regional Input-Output) aus der World Input-Output Database (WIOD) genutzt. Sie bieten einen umfassenden Überblick über die wirtschaftlichen Interaktionen zwischen verschiedenen Regionen oder Ländern. Allerdings fehlen einige Länder in den MRIO-Tabellen. Für sie entwickelte das Projektteam eine Methodik zur Schätzung der Werte.
CLIMADA ist eine kostenlose und quelloffene Software, die von einer grossen wissenschaftlichen Gemeinschaft entwickelt wurde. Als leicht zugängliches Fach-Tool unterstützt es Fachpersonen aus Forschung, Politik und Wirtschaft dabei, die Auswirkungen von Naturgefahren sowie Anpassungsstrategien zu beurteilen.
Dank neuer Funktionen, die im Rahmen des Projekts «Globale Auswirkungen des Klimawandels auf die Schweiz» entwickelt wurden, lassen sich nun mit CLIMADA auch indirekte wirtschaftliche Risiken modellieren. Die Ergebnisse liefern somit einen umfassenderen Blick auf potenzielle Auswirkungen und Organisationen können noch besser ihre Risiko-Exposition beurteilen. Dies ist besonders relevant, da klimabedingte Extremereignisse immer häufiger und intensiver auftreten und sich durch die globalen Handelsbeziehungen nicht nur lokal auswirken, sondern auch für andere Länder bedeutende Folgen haben können.
Zusätzlich verbesserte das Projektteam die Datengrundlage für verschiedene Gefährdungen (Hazards), Exposition (Exposure) und Betroffenheit von Klimarisiken (Vulnerabilität), die nun ebenfalls auf CLIMADA zur Verfügung stehen und die Qualität der Analysen erhöht.
Mit Erfahrung in Risikomodellierungen und Python-Grundkenntnissen ist das Tool relativ einfach zu bedienen. In den richtigen Händen und mit den richtigen Daten ausgestattet, kann CLIMADA als wertvolle Grundlage für eine konsistente und transparente Risikoanalyse dienen.
«Der Klimawandel erhöht weltweit das Risiko für Produktionsausfälle. Daher sollten wir auch Risiken im Blick haben, die bei unseren Handelspartnern auftreten. Solche indirekten Effekte sind schwer zu berechnen. Sie sind vielschichtig und müssen erst mit direkten Folgen verknüpft werden. Die neue Funktion zur Modellierung indirekter Auswirkungen in CLIMADA wird dabei aber eine grosse Hilfe sein.»-- Dr. Samuel Juhel, Lehrstuhl für Wetter und Klimarisiken, ETH Zürich
Abgrenzung und Limitationen
- Die Analyse betrachtet nur Auswirkungen, die durch drei ausgewählte Klimarisiken verursacht werden (Flussüberschwemmungen, tropische Wirbelstürme und europäische Winterstürme). Mit Ausnahme des Meeresspiegelanstiegs werden schleichende Veränderungen (z. B. Produktivitätsverluste von Arbeitskräften durch einen allgemeinen Anstieg der Temperatur) nicht betrachtet.
- Es werden nur die physischen Auswirkungen auf die wirtschaftliche Produktion modelliert. Auswirkungen auf Transport und Logistik und Veränderungen von Migrationsmustern oder der Entwicklungszusammenarbeit werden nicht betrachtet.
- Wirtschaftliche Auswirkungen zweiter Ordnung durch geringere Erträge, Kreditausfälle und erhöhte Übergangs- oder Versicherungsrisiken werden nicht berücksichtigt.
- Die Analyse erfolgte mithilfe eines Input-Output-Modells (von 2011), das von festen Handelsstrukturen ausgeht. D. h. der Produktionsausfall eines bestimmten Lieferanten wirkt sich proportional auf die gesamte Lieferkette aus. In der Realität sind Unternehmen jedoch teilweise in der Lage, Zulieferer zu ersetzen oder die Produktion anzupassen. Zudem sind die angenommenen Handelsströme in der Referenz- und in der Zukunftsperspektive dieselben. Damit lassen sich die klimabedingten Veränderungen isoliert betrachten. Das heisst: Alle hier aufgeführten Veränderungen sind auf klimabedingte Verschiebungen in der Häufigkeit und / oder Intensität einer Gefahr zurückzuführen. Die Einbettung von Szenarien der wirtschaftlichen Entwicklung würde erhebliche zusätzliche Unsicherheiten und nicht klimabedingte Risikoveränderungen mit sich bringen, die die Auswirkungen des Klimawandels überdecken könnten.
- Die tatsächliche geografische Verteilung und der Produktionswert der Wirtschafts-Sektoren lassen sich nur annähernd wiedergeben: z. B. kann man den Bergbau-Sektor klar durch vorhandene Minen einem Ort zuweisen. Bei anderen ist das nicht so einfach möglich. Z. B. erfolgt eine annähernde Verortung des verarbeitenden Gewerbes durch das Messen von Emissionen verschiedener Luftschadstoffe, die mit dem verarbeitenden Gewerbe verbunden sind. Die jährliche Gesamtproduktion des Sektors wird dann im Verhältnis zur Emissionsmenge räumlich verteilt.
- Für die Analyse wurden verschiedene Referenz- und Zukunftsszenarien herangezogen, abhängig von der jeweils verfügbaren Datengrundlage. So variieren z. B. die Referenzzeiträume für das Szenario «Heute» je nach Gefährdung (1980-2020 bei tropischen Wirbelstürmen, 1980-2000 bei Flussüberschwemmungen, 1980-2010 bei Europäischen Stürmen). Zur Beurteilung der Auswirkungen auf landwirtschaftliche Erträge wurden stellvertretend nur vier Kulturpflanzen modelliert: Reis, Mais, Soja und Weizen. Zudem wurde hier das Zukunftsszenario RCP 6.0 verwendet. Einige landwirtschaftliche Erzeugnisse, die stark vom Klimawandel betroffen sind, wie Kakao oder Kaffee, wurden nicht explizit modelliert.
- Es werden auf der Webseite nur die Auswirkungen auf die Importe, nicht aber auf die Exporte betrachtet. Letztere sind im Schlussbericht berücksichtigt und dort nachzulesen.
Aufgrund der Limitierungen sind die Ergebnisse als Abschätzung möglicher Auswirkungen zu verstehen und nicht als präzise Vorhersagen.
Weitere Details im Schlussbericht, Kapitel 4 «Methodological Approach» und Appendix B «Technical Documentation».
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Die umfassenden Ergebnisse des Projekts, Interpretationen sowie Ausführungen zur Methode sind im Schlussbericht zusammengefasst:
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Letzte Änderung 13.08.2026