Pilotprojekt zur Anpassung an den Klimawandel «Notfall- und Massnahmenplan Wasserknappheit im Smaragd-Gebiet Oberaargau»

Viele wertvolle Lebensräume in der Schweiz befinden sich entlang von Fliessgewässern. Die Auswirkungen des Klimawandels auf die kleinen Gewässer und ihre Biodiversität sind noch weitgehend unbekannt. Für das Smaragd-Gebiet Oberaargau wurden entsprechende Wissensgrundlagen geschaffen und mögliche Anpassungsmassnahmen abgeleitet.

Ausgangslage 

Das Smaragd-Gebiet Oberaargau ist eine typische traditionelle Kulturlandschaft des Mittellandes mit hohem Ackerbauanteil. Die vielen kleinen und mittleren Fliessgewässer zählen zu den europaweit besonders wertvollen Lebensräumen und bieten zahlreichen gefährdeten Tier- und Pflanzenarten günstige Lebensbedingungen. Bereits heute sind die Wasserstände der Kleingewässer im Sommer teilweise sehr tief. Zudem nimmt in Trockenperioden der Wasserbedarf der Landwirtschaft für die Bewässerung markant zu.

Ziele 

Erstens sollte untersucht werden, welche Arten im Smaragd-Gebiet besonders empfindlich auf Trockenheit reagieren und wo genau diese vorkommen. Zweitens sollten Informationen zu klimabedingten Veränderungen des Wasserhaushalts der kleinen und mittleren Gewässer generiert werden. Drittens sollte der Nutzungsdruck durch die landwirtschaftliche Bewässerung erhoben werden. Anhand dieser Grundlagen sollte zusammen mit den betroffenen Akteuren ein Notfall- und Massnahmenplan erarbeitet werden.

Vorgehen 

  • Teilprojekt Biodiversität: Bestimmen und Kartieren der gewässergebundenen Biodiversität, Identifizieren trockenheitsempfindlicher Biodiversitäts-Hotspots
  • Teilprojekt Hydrologie: Modellieren der Abflüsse mit Klimaszenarien für die Hauptflüsse im Gebiet, Messen der Abflüsse in kleinen Seitengewässern, Übertragen der Klimaprojektionen auf Seitengewässer
  • Teilprojekt Wassernutzung: Befragen von Landwirten und Fachleuten zur heutigen Bewässerungspraxis und zu Anpassungsoptionen
  • Synthese und Diskussion von Massnahmen für den Umgang mit akuten Trockenperioden 

Ergebnisse 

Im Smaragd-Gebiet sind vor allem die Seitengewässer von Niedrigwasserständen betroffen. Einige Abschnitte der Wiesengräben trocknen schon heute regelmässig aus. Mit dem Klimawandel erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für Niedrigwasser ab dem Jahr 2060 deutlich. Dann ist an 10 bis 25 zusätzlichen Tagen mit Niedrigwasser zu rechnen. Die höheren Wassertemperaturen stellen einen weiteren Stressfaktor dar.

Die gewässergebundene Biodiversität ist bereits heute durch Austrocknungstendenzen gefährdet, vor allem in den Kleinstgewässern. Die Biodiversität-Hotspots konnten kartiert werden. Es kommen zahlreiche trockenheitsempfindliche Arten vor, die auf der Roten Liste stehen. Sinkende Grundwasserstände, vermutlich hervorgerufendurch die veränderte Landnutzung, tragen dazu bei, dass die Situation schlechter ist als vor 50 Jahren. Zusammen mit den betroffenen Akteuren wurde ein Plan mit zehn Massnahmen entwickelt, um die Lebensraumbedingungen für die durch Trockenheit gefährdeten Arten zu verbessern.

Die Wasserentnahme für die Bewässerung in der Landwirtschaft stellt derzeit kein grösseres Problem für die Biodiversität im Projektgebiet dar. Eine übermässige Wasserentnahme findet nicht statt. 

Fazit 

Niedrigwasser und Trockenheit sind nicht nur für Fische, sondern beispielsweise auch für Libellen oder Amphibien ein Stressfaktor, da Letztere in einzelnen Lebensphasen zwingend auf geeignete Gewässer angewiesen sind. Im Smaragd-Gebiet reagieren 57 Arten aus verschiedenen Organismengruppen sowie sechs Lebensraumtypen besonders empfindlich auf Trockenheitsperioden. Die Methode zur Bestimmung der Biodiversität-Hotspots wurde in die Praxisgrundlagen Wasserressourcenmanagement des Bundesamtes für Umwelt aufgenommen.

Für den fortschreitenden Klimawandel konnte die Veränderung der Abflüsse abgeschätzt werden. Die Kombination der Ergebnisse zeigt, dass als Folge der Sommertrockenheit vor allem Arten und Lebensräume entlang von kleinen Gewässern gefährdet sind. Die Resultate des Projekts deuten aber auch darauf hin, dass vermutlich nicht nur der Klimawandel die Hauptursache für die Bedrohung ist, sondern auch die Veränderung der Lebensräume durch die geänderte Landnutzung. Umso wichtiger ist es, dass sich entlang der Gewässer wieder möglichst naturnahe Lebensräume entwickeln können.


Projektträger: Trägerverein Smaragd-Gebiet Oberaargau

Pilotgebiet: Smaragd-Gebiet Oberaargau (BE, SO, AG, LU)

Laufzeit: 2014 - 2016

Begleitung: Bundesamt für Umwelt

Weiterführende Informationen

Fachkontakt
Letzte Änderung 13.10.2017

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Kontakt

Atelier für Naturschutz und Umweltfragen
Christian Hedinger

hedinger@unabern.ch 

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Klimaberichterstattung und –Anpassung

Papiermühlestr. 172
3063 Ittigen

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