Pilotprojekt zur Anpassung an den Klimawandel «Klimaadaptionsstrategie Grimselgebiet»

Im Grimselgebiet können steigende Temperaturen grosse Naturgefahrenprozesse in Gang setzen. Die zuständigen Stellen haben bisher getrennt voneinander nach Möglichkeiten zum Umgang mit den Risiken gesucht. Das Projekt brachte die verschiedenen Akteure zusammen. In einem moderierten Prozess wurde eine gemeinsame Strategie zur Anpassung an den Klimawandel entwickelt.

Ausgangslage

Als Folge von auftauendem Permafrost und schmelzenden Gletschern waren in den letzten Jahren verschiedene Teile des Grimselgebiets von Naturgefahrenprozessen wie Murgängen und Felsstürzen stark betroffen. Die Versorgungsinfrastruktur, die Verkehrserschliessung und die Siedlungen sind lokal gefährdet. Einige der Betroffenen haben bereits individuelle Ansätze für mögliche Anpassungsmassnahmen entwickelt. Wechselwirkungen und Synergien blieben dabei unberücksichtigt. Die Suche nach Lösungen wurde dadurch erschwert, dass weder der Zeitpunkt des Eintretens noch der konkrete Ort oder das Ausmass grosser Geschiebeverlagerungen vorhersehbar sind.

Ziele

Ziel des Projekts war es, die Akteure im Grimselgebiet für die Folgen des Klimawandels zu sensibilisieren und Handlungsoptionen zu entwickeln. In einem moderierten Prozess sollten die Lösungsansätze koordiniert und eine gemeinsame, langfristige Strategie für den Umgang mit den Naturgefahren erarbeitet werden. Die Strategie sollte von den Beteiligten in der Region vertreten und bekannt gemacht werden.

Vorgehen

  • Sammeln und Erarbeiten von Grundlagen zu den Auswirkungen des Klimawandels im Grimselgebiet, Diskussion mit regionalen Akteuren an einer Startveranstaltung
  • Sondierungsgespräche mit Akteuren
  • Szenarienbildung auf Basis der «Korridorstudie Grimsel» (Gefahrenabklärung Grimselstrasse)
  • Ermitteln von Bedürfnissen, Handlungsbedarf und Zielkonflikten an zwei Workshops
  • Erarbeiten und Finalisieren der Anpassungsstrategie einschliesslich Massnahmen
  • Abschlussveranstaltung, Verbreiten der Strategie

Ergebnisse

Die partizipativ erarbeitete Anpassungsstrategie definiert für das Grimselgebiet die Stossrichtungen und die Ziele für den Umgang mit den Auswirkungen des Klimawandels. Die Strategie ist thematisch breit gefasst und deckt die zentralen Handlungsfelder der Region ab: Gebäude und Siedlungen, Strassen und Infrastruktur, Tourismus, Arbeiten in der Region, Gesellschaft und Landschaft.

Die Strategie enthält mehrere konkrete Massnahmen. Dazu zählen ein besserer Daten- und Informationsaustausch über Naturgefahrenprozesse zwischen den zuständigen Stellen, die gezielte Kommunikation im Fall von Naturgefahrenereignissen an die verschiedenen touristischen Nutzergruppen sowie die verstärkte touristische Vermarktung der landschaftlichen Potenziale der Region einschliesslich der dynamischen Naturgefahrenprozesse. Darüber hinaus sollen die möglichen Gefährdungen zukünftiger Verkehrserschliessungen analysiert und leer stehende Objekte zu Wohnzwecken umgenutzt werden. Der Grundstein für die Umsetzung der Strategie ist mit der Etablierung einer Steuerungsgruppe und mit einer von allen beteiligten Institutionen unterzeichneten Absichtserklärung gelegt. In der Steuerungsgruppe vertreten sind die Regionalkonferenz Oberland-Ost, die Einwohnergemeinden Guttannen und Innertkirchen, die Kraftwerke Oberhasli und das kantonale Tiefbauamt.

Fazit

Im Zuge des partizipativen Prozesses ist es gelungen, die betroffenen Akteure für die Folgen des Klimawandels zu sensibilisieren und die sektoralen Sichtweisen in einer gemeinsamen Anpassungsstrategie zusammenzuführen. Der Arbeitsprozess wurde durch die bereits vorliegenden Studien zu verschiedenen Naturgefahrenprozessen in der Region begünstigt. Im Laufe der Arbeiten verschob sich der Schwerpunkt vom Umgang mit den Naturgefahren hin zu einer klimaangepassten Regionalentwicklung. Dadurch konnten die Ziele und Massnahmen in den sozioökonomischen Gesamtkontext der Region eingebettet werden.

Die strukturelle Verankerung der Anpassung an den Klimawandel in der Region erfolgte bereits während der Projektlaufzeit. Das ist in dieser Form neu und beispielhaft. Das Projekt zeigt damit, dass formell organisierte Regionen mit ihren Managementstrukturen und -ressourcen für sektorenübergreifende Anpassungsprojekte besonders geeignet sind.


Projektträger: Regionalkonferenz Oberland-Ost

Pilotgebiet: Grimselgebiet (BE)

Laufzeit: 2014 - 2015

Begleitung: Bundesamt für Umwelt

Weiterführende Informationen

Dokument

Produkte 

Klimaadaptionsstrategie Grimselgebiet (PDF, 1 MB, 02.02.2016)Schlussbericht Tiefbauamt Kanton Bern / Oberingenieurkreis I und Regionalkonferenz Oberland-Ost

Klimaadaptionsstrategie Grimselgebiet (PDF, 445 kB, 10.02.2016)Methoden- und Erfahrungsbericht Tiefbauamt Kanton Bern / Oberingenieurkreis I und Regionalkonferenz Oberland-Ost

Fachkontakt
Letzte Änderung 13.10.2017

Zum Seitenanfang

Kontakt

Regionalkonferenz Oberland-Ost
Stefan Schweizer

stefan.schweizer@ oberland-ost.ch

Oberingenieurkreis I
Ricarda Bender-Gàl

ricarda.bender-gal@bve.be.ch

____________________________

Bundesamt für Umwelt BAFU
Klimaberichterstattung und –Anpassung

Papiermühlestr. 172
3063 Ittigen

climate-adaptation@bafu.admin.ch
www.bafu.ch

Kontaktinformationen drucken

https://www.nccs.admin.ch/content/nccs/de/home/massnahmen/projekte/pak/pilotprogramm-anpassung-an-den-klimawandel2/pilotprogramm-anpassung-an-den-klimawandel/pilotprojekte-zur-anpassung-an-den-klimawandel--cluster--umgang-0/pilotprojekt-zur-anpassung-an-den-klimawandel--klimaadaptionsstr.html