Waldfunktionen und Klimawandel

Wälder erbringen zahlreiche Ökosystemleistungen. Sie produzieren Holz, regulieren das Klima, schützen vor Naturgefahren und bieten Lebens- und Erholungsraum für Pflanzen, Tiere und Menschen. Veränderte Klimabedingungen können Bäume und Wälder schädigen und wichtige Funktionen und Leistungen des Waldes beeinträchtigen.

Wälder bieten eine Vielzahl von Ökosystemleistungen. Sie produzieren Holz, versorgen uns mit sauberem Trinkwasser, regulieren das lokale Klima, tragen zur Erhaltung der biologischen Vielfalt und Lebensräume für Tiere und Pflanzen bei, schützen vor Naturgefahren und bieten dem Menschen Erholungsraum. Ausserdem speichern Wälder viel Kohlenstoff und stellen damit die grösste terrestrische CO2-Senke dar.

Der Klimawandel vollzieht sich in einem solch raschen Tempo, dass sich Bäume daran nicht genetisch anpassen können. Damit beeinflusst er nicht nur Vitalität, Funktion und Leistungen der Wälder, sondern auch, ob sich die heimischen Baumarten in Zukunft noch für ihre angestammten Lebensräume eignen. So können zum Beispiel Dürre und hohe Temperaturen Ökosystemleistungen wie die Speicherung von Kohlenstoff gefährden, wenn sich das Wachstum der Bäume verringert oder sich ihre Sterblichkeit erhöht.

Wer den Wald modern und nachhaltig bewirtschaften will, benötigt praxis- und politikrelevante Informationen aus der Wissenschaft, wie sich erhöhte Temperaturen und ein verändertes Niederschlagsregime auf Waldökosysteme auswirken. Das NCCS-Schwerpunktthema «Waldfunktionen und Klimawandel» möchte bestehende Wald- und Klimainformationen zusammenführen und innovative Instrumente entwickeln, die sich bei gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen beiziehen lassen.

Abb. 1: Zwei Arbeitspakete, die Instrumente und Informationen über kurzfristige Auswirkungen von Wetterextremen auf Wälder und Bäume sowie langfristige Prognosen zur Verteilung von Arten und Risikobewertungen für zukünftige Klimaszenarien liefern

Das Ziel des Themenschwerpunkts ist die weitere Verbesserung des Wissenstransfers von der Wissenschaft in die Praxis mittels webbasierter Werkzeuge.

Ziele

Die Ziele des Schwerpunktthemas «Waldfunktionen und Klimawandel» lauten wie folgt:

(1) webbasierte Werkzeuge aus bestehenden Datenquellen und Modellen zu entwickeln, die die vorhergesagten Veränderungen in der Struktur und Funktion von Waldökosystemen darstellen, sowohl auf einer kurz- als auch auf einer langfristigen Skala

und damit

(2) den Wissenstransfer von der Wissenschaft zur Forstpraxis weiter zu verbessern, um die waldbaulichen Massnahmen an den Klimawandel anzupassen.

Solche webbasierten Werkzeuge ermöglichen Akteuren auf verschiedenen Ebenen (Waldbesitzende, Forstunternehmen, kantonale Behörden etc.), fundierte Entscheidungen zu fällen. Ziel ist es, das Verständnis für die zukünftige Entwicklung von Wäldern und ihren Leistungen zu fördern und Strategien zur Klimaanpassung vorzuschlagen und zu begründen.

Um das Ziel einer prägnanten und verständlichen Web-Informationsplattform zu erreichen, werden die Ergebnisse des Forschungsprogramms «Wälder und Klimawandel» verknüpft mit Resultaten der Langfristigen Waldökosystemforschung LWF, von TreeNet – dem biologische Netzwerk für Trockenheits- und Baumwachstumsindikatoren, dem Landesforstinventar LFI und anderen Projekten und Programmen. Die Informationen über Gesundheitszustand, Mortalität und Klimawandel, Risiken einer Fehlanpassung, Veränderungen in der Habitateignung von Baumarten und Wachstum werden in zwei grossen Arbeitspaketen (WP) zusammengestellt.

Arbeitspakete

Arbeitspaket WP 1

Kurzfristige Informationen über Wetterextreme und Frühwarnsystem: Die Informationen lassen sich als Frühwarnsystem für unmittelbare Hitze- und Dürregefahren und deren Folgen für das Stammwachstum und die Wasserverfügbarkeit für Bäume nutzen. Darüber hinaus werden die aktuellen Informationen (d. h. der Belastungsgrad) an einem bestimmten Standort mit langfristigen Prognosen in Beziehung gesetzt und somit in einen längerfristigen Kontext gestellt (Abb. 1, linke Spalte). Die Kombination mit saisonalen Prognosetools wie www.borkenkaefer.ch, die jährlichen Sanasilva-Daten zum Kronenzustand oder die LWF-Meteodaten ermöglicht es, aktuelle Informationen über klima- und wetterbedingte Bedrohungen für Wälder und Bäume zu generieren, auf der Zeitskala von einzelnen Tagen bis hin zu einer Saison.

Arbeitspaket WP 2

Langfristprognosen für die Verteilung von Arten und Risikobewertungen: Es werden Verbreitungskarten von Arten zusammen mit den Karten der Habitat- und Standorteignung für >20 Baumarten und verschiedene Klimaszenarien aus dem Forschungsprogramm «Wald und Klimawandel» erstellt. Sie bieten eine lokale und standortspezifische Risikobewertung und eine Grundlage für fundierte Entscheidungen in der Forstwirtschaft (Abb. 1 rechtes Feld). Darüber hinaus werden die Risiken einer genetischen Fehlanpassung für die wichtigsten Baumarten visualisiert, aufgrund eines grossen Common-garden-Experiments mit Buche, Tanne und Fichte. Die Anwenderinnen und Anwender dieser Werkzeuge finden Antworten auf Fragen wie «Welche Baumart ist in welcher Region gefährdet und welche Art wird dort in Zukunft geeignet sein?»

Die beiden WP (Kurzzeitinformationen/Frühwarnung, langfristige Prognosen und Risikobewertung) werden miteinander verknüpft, um die Nutzenden durch die verschiedenen Zeitskalen zu führen. Dies wird ihnen helfen zu verstehen, wie sich Temperatur, Niederschläge und extreme klimatische Ereignisse auf kurz- und langfristige Risiken für Wälder und Ökosystemleistungen unter verschiedenen Klimaszenarien auswirken.

Letzte Änderung 25.02.2019

Zum Seitenanfang

Kontakt

WSL

Kontaktperson
Prof. Dr. Arthur Gessler

E-Mail

Kontaktinformationen drucken

https://www.nccs.admin.ch/content/nccs/de/home/das-nccs/themenschwerpunkte/waldfunktionen-und-klimawandel.html