B.02 Grundwasser für die Landwirtschaft

Die sommerlichen Trockenperioden häufen sich aufgrund der klimatischen Veränderungen. Viele Landwirtinnen und Landwirte im Klettgau setzen deshalb mangels Alternativen Trink- oder Quellwasser für die Bewässerungen ihrer Kulturen ein. Das Trinkwassernetz ist dafür aber nicht vorgesehen. Dieses Projekt klärte im Kanton Schaffhausen ab, ob und wie eine Bewässerung mit Grundwasser dennoch möglich wäre. Ausserdem untersuchten die Fachleute die möglichen Auswirkungen und entwickelten Vorschläge für eine nachhaltige Strategie für die zukünftige Grundwassernutzung.

Wassersprenger auf einem Maisfeld

Ergebnisse

Zunehmende Trockenperioden werden für die Landwirtschaft zur Herausforderung. Viele Landwirtinnen und Landwirte beziehen deshalb, wo möglich, Trinkwasser für die Bewässerung der Felder. Dafür ist das Trinkwassernetz aber weder vorgesehen noch dazu ausgelegt. Im Rahmen dieses Pilotprojekts untersuchten Fachleute im Auftrag des Tiefbaus Schaffhausen, des Landwirtschaftsamts und Interkantonalen Labors, wie sich eine landwirtschaftliche Bewässerung mit Grundwasser auf das Grundwasservorkommen im Klettgau auswirken würde. So konnten die Projektverantwortlichen auch die Folgen für die Region, Landwirtschaft, Umwelt, Landschaft und den Boden abschätzen. Und daraus leiteten sie Anpassungsstrategien sowie Empfehlungen ab zuhanden der Vollzugsbehörden für die Regelung von Wasserbezügen. 

Grundlage der Studie bildete die Erstellung eines Grundwassermodells der Region Klettgau im Kanton Schaffhausen und der Region Wutach in Deutschland. Die Projektverantwortlichen sammelten dafür hydrologische und landwirtschaftliche sowie gelände- und klimabezogene Daten und erstellten daraus ein Grundwassermodell. Anschliessend wendeten die Fachleute das Modell unter Berücksichtigung verschiedener Bewässerungs- und Klimaszenarien an, um den lokalen Bewässerungsbedarf zu ermitteln.  

Die Auswertung ergab, dass aufgrund der prognostizierten Klimaveränderung der Bewässerungsbedarf stark steigen wird. Ohne Bewässerung wird der Ackerbau im Klettgau in der heutigen Form nicht mehr möglich sein. Die Analyse zeigte, dass eine geringe bis moderate Bewässerung mit Grundwasser nachhaltig möglich ist und keine dauerhafte Senkung des Grundwasserspiegels verursacht. Eine fachgerechte Bewässerung hätte sogar positive Auswirkungen auf den Nitratgehalt im Trinkwasser: Die Böden bleiben feucht, und somit gelangt weniger Nitrat aus dem Boden ins Grundwasser. 

Die Projektverantwortlichen weiteten die regionale Analyse anschliessend auf den gesamten Kanton aus, um qualitativ abzuschätzen, in welchen weiteren Regionen eine landwirtschaftliche Bewässerung mit Grundwasser in Betracht gezogen werden könnte. Dazu verglichen sie den Bewässerungsbedarf mit dem Grundwasserdargebot. Die Untersuchungen ergaben, dass es in den Regionen Bibertal bei Thayngen, Dörflingen-Buchthalen und in Rüdlingen möglich sein könnte, Grundwasser nachhaltig für Bewässerungszwecke zu nutzen. Die Resultate, Erkenntnisse und Schlussfolgerungen der Modellierungen und Untersuchungen flossen in vier Teilberichte ein. 

Dokumente und weiterführende Links

Ausgangslage

Im Kanton Schaffhausen gibt es bisher nur sehr beschränkte Möglichkeiten für landwirtschaftliche Bewässerungen: Wasserentnahmen aus Oberflächengewässern sind grundsätzlich nur aus drei Gewässern möglich, Bewässerungen mit Grundwasser werden nicht bewilligt. Daher geben mitunter einzelne kommunalen Wasserversorgungen Trinkwasser zu Bewässerungszwecken an die Landwirtschaft ab. Angesichts des Klimawandels und den drohenden längeren Trockenperioden stellt sich die Frage, ob es sinnvoll wäre, dass Landwirte zukünftig direkt Grundwasser für die Bewässerung entnehmen. In welchem Umfang wäre eine nachhaltige Nutzung möglich? Wie können die verschiedenen Grundwassernutzungen aufeinander abgestimmt werden? Und was sind die Auswirkungen auf Boden, Grundwasserqualität, Landwirtschaft, Region und Landschaft? Dieses Projekt will diese Fragen in der Modellregion Klettgau eingehend klären und damit die Grundlagen schaffen für eine kohärente Vollzugsstrategie für eine nachhaltige Grundwassernutzung im ganzen Kanton.

Ziele

  • Auswirkungen einer möglichen landwirtschaftlichen Bewässerung mit Grundwasser fundiert abschätzen.
  • Kohärente und nachhaltige Vollzugsstrategie zur Grundwassernutzung ermöglichen.
  • Planungssicherheit für Landwirte schaffen.
  • Wassernutzungskonflikte vorbeugen oder entschärfen.

Vorgehen

  • Alle vorhandenen Grundlagen bei den Projektakteuren erfassen und ergänzen.
  • Grundwassermodellierung in der Region Klettgau.
  • Studie über die Auswirkungen einer möglichen Bewässerung auf Umwelt, Landwirtschaft und Region erstellen.
  • Diskussion mit Wasserversorgern über Nutzungsreglemente zum Umgang mit kurzzeitigen Trockenperioden im Sommer.
  • Kommunikation und Erfahrungsaustausch mit allen Akteuren und Zielgruppen der Modellregion.
  • Übertragung der Erkenntnisse aus dem Klettgau auf den gesamten Kanton Schaffhausen.

Projektregion

Vollständiger Projekttitel: 

Chancen und Risiken einer möglichen Grundwassernutzung zu Bewässerungszwecken für die Landwirtschaft (B.02)

Projektgebiet:

Klettgau, Kanton Schaffhausen

Laufzeit:

April 2019 – Dezember 2021

Träger: Tiefbau Schaffhausen (TSH)
Begleitung:

Bundesamt für Umwelt BAFU, Bundesamt für Landwirtschaft BLW

Fachkontakt
Letzte Änderung 15.03.2023

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Kontakt

Jürg Schulthess
Abteilungsleiter Gewässer
juerg.schulthess@sh.ch
Tel. +41 52 632 73 22  

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