Invasive gebietsfremde Schädlinge: Die Marmorierte Baumwanze

Die Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys; Abb. 1) stammt aus Ostasien und schädigt Obst, Gemüse, Beeren und Feldkulturen (Leskey und Nielsen 2018). Die Art wurde Ende des 20. Jahrhunderts in die USA verschleppt und 2004 erstmals in Europa (Zürich) beobachtet (Wermelinger u.a. 2008). Inzwischen ist sie schon in vielen europäischen Ländern zu finden (Haye u.a., 2015). Die Wanze ist 12 bis 17 mm lang und von April bis Oktober aktiv. Südlich der Alpen entwickelt sie meist zwei Generationen, nördlich der Alpen eine Generation. Sie sucht sich zur Überwinterung geschützte Orte an Mauern oder in Gebäuden.

Zwei Marmorierte Baumwanzen (Halyomorpha halys) sitzen auf einem grünen Blatt.
Abbildung 1. Adulte Exemplare der Marmorierten Baumwanze.
© Agroscope (Arnaud Conne)

Seit dem ersten Fund im Kanton Zürich 2004 hat sich die Marmorierte Baumwanze über weite Teile der Schweiz ausgebreitet, einschliesslich des zentralen Mittellands, der Gebiete um Basel und zwischen Bern und dem Genfer See, des Tessins und neu auch des Wallis. Die Beobachtungen stimmen mit dem potentiellen Verbreitungsgebiet überein, das mit Hilfe eines bioklimatischen Simulationsmodelles (CLIMEX; Kriticos u.a. 2017) berechnet wurde (Abb. 2).

Die Grafik zeigt zwei Karten der Schweiz. Sie zeigen mit einer Farbskala von hell bis dunkel rot die potenziellen Verbreitungsgebiete der Marmorierten Baumwanze heute und gegen Ende des 21. Jahrhunderts. Unter heutigen Bedingungen erstreckt sich das Vorkommen über das Schweizer Mittelland von Genf bis nach Schaffhausen sowie über den Kanton Jura. Weitere Verbreitungsgebiete befinden sich in niederliegenden Tälern wie dem Rhone- und dem Rheintal sowie im Tessin. In Zukunft wird sich das potenzielle Vorkommen in höhere Lagen ausdehnen und die Grossregion Jura, die Voralpen und die Zentralschweiz, die Bündner und Tessiner Täler sowie die Seitentäler im Wallis einnehmen.
Abbildung 2. Potentielle Verbreitung der Marmorierten Baumwanze unter heutigen (1981-2010) und zukünftigen (2070–2099) Klimabedingungen. Die Karten zeigen, wie günstig das Klima an einem Standort für das längerfristige Überleben des Insektes ist. Resultate von Simulationen mit Modell CLIMEX. Basis für die Berechnung der Karte rechts sind die Klimaszenarien CH2011 A2.
© Climex | FiBL

Gemäss Resultaten von Simulationen mit dem gleichen Modell dürfte sich das Verbreitungsgebiet der Marmorierten Baumwanze künftig weiter ausdehnen und gegen Ende Jahrhundert die ganze landwirtschaftliche Produktionsfläche der Schweiz einnehmen, obwohl in der Südschweiz der zunehmende Hitzestress das Wachstumspotential einschränken könnte. Nördlich der Alpen wird die Verbreitung der Marmorierten Baumwanze durch mildere Winter und höhere Temperaturen im Frühling und Herbst begünstigt. In allen Gebieten ist in Zukunft mit einer zusätzlichen Generation zu rechnen.

Das Entwickeln einer wirkungsvollen Bekämpfungsstrategie ist schwierig, denn die Wanze befällt viele Pflanzenarten, ist enorm mobil und zeigt sich unempfindlich gegenüber zugelassenen Insektiziden. Umso wichtiger ist deshalb die Überwachung. Das Centre for Agriculture and Biosciences International (CABI) führt seit 2004 eine Webplattform mit Informationen und aktuellen Fundmeldungen. 2017 wurde in Zusammenarbeit von Agroscope, FiBL, CABI und kantonalen Pflanzenschutzdiensten ein nationales Monitoring in der Landwirtschaft gestartet. Ein optimiertes Monitoring mit einer mobilen App ist auch das Ziel des Interreg Oberrhein Projektes «InvaProtect».


Weiterführende Informationen

Literatur

Im Text erwähnte Literatur

Haye, T., Gariepy, T., Hoelmer, K., Rossi, J.P., Streito, J.C., Tassus, X., Desneux, N. 2015. Range expansion of the invasive brown marmorated stinkbug, Halyomorpha halys: an increasing threat to field, fruit and vegetable crops worldwide. J. Pest Sci., 88, 665673.

Kriticos, D.J., Kean, J.M., Phillips, C.B., Senay, S.D., Acosta, H., Haye, T. 2017. The potential global distribution of the brown marmorated stink bug, Halyomorpha halys, a critical threat to plant biosecurity. J. Pest Sci., 90, 10331043.

Leskey, T. C. und Nielsen, A. L. 2018. Impact of the Invasive Brown Marmorated Stink Bug in North America and Europe: History, Biology, Ecology, and Management, Annu. Rev. Entomol., 63(1), 599–618.

Wermelinger, B., Wyniger, D., Forster, B. 2008. First records of an invasive bug in Europe: Halyomorpha halys Stal (Heteroptera: Pentatomidae), a new pest on woody ornamentals and fruit trees? Mitteilungen der Schweizerischen Entomologischen Gesellschaft 81, 18.

 

Weiterführende Literatur (englisch und deutsch)

BAFU, 2012. Anpassung an den Klimawandel in der Schweiz. Ziele, Herausforderungen und Handlungsfelder. Erster Teil der Strategie des Bundesrates vom 2. März 2012. Bundesamt für Umwelt (BAFU), Bern, CH.

BAFU, 2014. Anpassung an den Klimawandel in der Schweiz. Aktionsplan 2014-2019. Zweiter Teil der Strategie des Bundesrates vom 9. April 2014. Bundesamt für Umwelt (BAFU), Bern, CH.

BAFU, 2016. Strategie der Schweiz zu invasiven gebietsfremden Arten. Bundesamt für Umwelt (BAFU), Bern, CH.

Eitzinger, J., Kersebaum K.C., Formayer H., 2009: Landwirtschaft im Klimawandel – Auswirkungen und Anpassungsstrategien für die Land- und Forstwirtschaft in Mitteleuropa. AgriMedia, ERLING Verlag GmbH, Clenze (D).

Marbot, B., Fischler, M., Schoop, J., Felder, D., Barth, L., Schild, A., Hasler, S., Fuhrer, J., Stoeckli, S., 2014. Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel. Teil 1: Monitoring von Klimawandel-bedingten Veränderungen; Teil 2: Frühwarnung vor Klimawandel-bedingten Risiken. Agridea, Eschikon, CH.

 

Letzte Änderung 25.01.2019

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