Gewässerschutz

Ökologisch intakte Gewässer können den Klimawandel besser verkraften und die vielfältigen Ansprüche der Gesellschaft erfüllen. Es gilt daher, Wasserressourcen vor übermässigen Entnahmen sowie vor Verunreinigungen durch Schadstoffe und Düngemittel zu schützen. Ausserdem müssen Bäche, Flüsse, Seen und Grundwasservorkommen in einem möglichst naturnahen Zustand gehalten oder in diesen überführt werden.

Wertvolle Lebensräume nach Revitalisierungen
Bei Rietheim im Kanton Aargau wurde der Chli Rhi, ein zugeschütteter Seitenarm des Rheins, wieder freigelegt und darf bei Hochwasser über die Ufer treten. So ist eine dynamische Auenlandschaft entstanden. Im Bild die Situation am 22. August 2016.
© Herbert Böhler & Markus Forte/Ex-Press/BAFU

Siedlungsentwässerung

Die Abwasserreinigungsanlagen (ARA) geraten durch den Klimawandel zunehmend an Grenzen: Wenn bei geringer Wasserführung der Flüsse die Abläufe der ARA weniger stark verdünnt werden, ist die Belastung der Gewässer trotz Reinigung zu gross. 

Daher ist es wichtig, dass noch weniger Schadstoffe aus den Siedlungen in die Gewässer gelangen. Um die chemische Belastung von Flüssen mit hohem Abwasseranteil zu reduzieren, sollen bis 2040 rund 140 strategisch ausgewählte ARA mit zusätzlichen Reinigungsstufen ausgestattet werden.

Intensive Regenfälle werden sich in Zukunft häufen. In solchen Situationen fliesst so viel Wasser in die Kanalisation, dass die Kläranlagen es nicht mehr verarbeiten können. Ein Teil des Abwassers gelangt ungereinigt in die Flüsse. Um dies zu vermeiden, soll Regenwasser von versiegelten Flächen in Zukunft möglichst nicht mehr in die Kanalisation eingeleitet, sondern noch konsequenter als bisher innerhalb der Siedlung versickert oder zurückgehalten werden.

Reaktion von Trenn- bzw. Mischsystem bei starken Regenfällen

Reaktion von Trenn- bzw. Mischsystem bei starken Regenfällen
Bei Mischsystemen, welche 70 % der Siedlungsfläche entwässern, kann bei Starkregen ein Gemisch aus Schmutz- und Regenwasser ohne Reinigung in die Gewässer gelangen.
© Braun et al. (2015)

Schadstoffe aus der Landwirtschaft

Eine Herausforderung für die Gewässer ist auch der Schadstoffeintrag aus der Landwirtschaft: Rückstände von Pflanzenschutzmitteln und Düngern gelangen in Grundwasser, Flüsse und Seen und beeinträchtigen vielerorts die Trinkwasserversorgung und die Gewässerökologie. Die Zunahme der Starkniederschläge erhöht die Abschwemmung von Nähr- und Schadstoffen aus den Feldern in die Gewässer. Die höheren Winterniederschläge transportieren zudem mehr Nitrat aus Dünger ins Grundwasser. Entscheidend ist darum, die Menge an ausgebrachten Schadstoffen zu reduzieren, wie es der Bund mit dem 2017 gestarteten «Aktionsplan Pflanzenschutzmittel» anstrebt.

Übernutzung verhindern

Wasserentnahmen für Siedlungen, Industrie und Gewerbe oder Landwirtschaft gibt es an zahlreichen Stellen im Grundwasser sowie an Flüssen und Seen der Schweiz. Mengenmässig weitaus am bedeutendsten sind die rund 1500 Wasserentnahmen durch Wasserkraftwerke. Das Gewässerschutzgesetz regelt, wieviel Wasser unterhalb der Entnahmestellen in den Gewässern verbleiben muss, und verhindert damit, dass diese teilweise oder ganz trockenfallen.

Feuchtgebiete aber auch viele Bächen und Flüssen benötigen ausreichend hohe Grundwasserstände, um während Trockenheit nicht auszutrocknen oder zu wenig Wasser zu führen. Deshalb ist eine haushälterische Nutzung bei Entnahmen aus dem Grundwasser notwendig.

Naturnahe Gewässer

In der Schweiz schränken ausserdem Hindernisse in den Gewässern die Mobilität zahlreicher Wasserorganismen erheblich ein. So behindern Wasserkraftanlagen und Schwellen das Wandern von Fischen und anderen Tieren wie Krebsen oder unterbinden es ganz. Rund 16 000 Kilometer – etwa ein Viertel aller Gewässerstrecken in der Schweiz – sind heute in ihrer Struktur beeinträchtigt oder gar in unterirdische Rohre verlegt.

Mit dem 2011 revidierten Gewässerschutzgesetz brachte die Schweiz zwei Generationenprojekte zur Sanierung der Gewässerökologie auf den Weg:

  • Bis 2030 soll die Fischwanderung an rund 1000 Wehren verbessert werden, übermässige Abflussschwankungen werden an etwa 100 Wasserkraftwerken beseitigt und 500 Anlagen mit Geschiebedefiziten saniert. 
  • Zusätzlich haben überall im Land Arbeiten begonnen, um den Gewässern bis zum Jahr 2090 auf rund 4000 Kilometern Länge mehr Raum und Natürlichkeit zurückzugeben und für eine bessere Beschattung zu sorgen.

Die ökologischen Sanierungen und Revitalisierungen machen das Leben im Wasser gegenüber dem Klimawandel widerstandsfähiger. Nicht zuletzt tragen sie zur besseren Vernetzung der Natur und zu einem schönen Landschaftsbild bei. Ebenso wichtig sind jedoch Klimaschutzmassnahmen, um den Anstieg der Wassertemperaturen und die Veränderungen im Abfluss möglichst klein zu halten. 

Massnahmen zur Stärkung der Gewässer

Massnahmen zur Stärkung der Gewässer
Naturnahe Gewässer können mit den Herausforderungen des Klimawandels besser umgehen als vom Menschen stark veränderte Gewässer. Die Umsetzung von Gewässerschutzmassnahmen wird deshalb noch wichtiger. Für naturnahe Gewässer braucht es eine Reihe von Massnahmen, wie sie zum Beispiel in der Grafik beschrieben sind.

Dokumente

Cover Synthesebericht

Der Bericht «Auswirkungen des Klimawandels auf die Schweizer Gewässer» bietet eine kompakte Übersicht über die Ergebnisse und ist ein Einstieg zu weiteren Fachinformationen und Daten.

Letzte Änderung 13.03.2021

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Hydrologische Grundlagen zum Klimawandel

Hydro-CH2018 untersucht, wie sich der Klimawandel auf die Wasserressourcen und die Naturgefahren auswirkt, und entwickelt hydrologische Szenarien.

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