Abflüsse im Wandel

Der Beitrag von Schmelzwasser aus Schnee und Eis zu den Abflüssen nimmt weiter ab. Dadurch verändert sich deren jahreszeitliche Verteilung. Die Gewässer der Schweiz führen in Zukunft mehr Wasser im Winter und weniger im Sommer. Die gesamte Jahresmenge nimmt jedoch nur geringfügig ab.

Der Klimawandel greift zweifach in den Wasserhaushalt ein: Durch die Veränderung der jahreszeitlichen Verteilung des Niederschlags sowie durch den Anstieg der Lufttemperatur. Die Klimaszenarien zeigen, dass die Niederschläge im Winter zukünftig zunehmen und im Sommer abnehmen. Die Verdunstung verstärkt sich in allen Jahreszeiten.

Im Winter führt die Erwärmung dazu, dass Niederschläge öfter bis in höhere Lagen als Regen fallen und schneller abfliessen. Eine kleinere Fläche der Schweiz ist mit Schnee bedeckt. Ausserdem bildet sich die Schneedecke später im Jahr und schmilzt früher ab. Als Folge davon nehmen die Abflüsse und die Grundwasserneubildung in den Wintermonaten zu. Im Frühling und Sommer fehlt hingegen das Schmelzwasser. 

Jahresgang des Rheins

Jahresgang des Rheins
Die Pfeile verdeutlichen, wie sich die mittleren monatlichen Abflüsse des Rheins bei Basel bis Ende dieses Jahrhunderts verändern, falls kein Klimaschutz erfolgt. Die helleren Flächen stellen die Bandbreite der Modellierungen dar.

Im Sommer bewirken höhere Temperaturen, dass die Gletscher rascher abschmelzen. Gewässer, die von ihnen gespeist werden, führen damit mehr Wasser. Dies ist allerdings ein vorübergehendes Phänomen: Bei den kleinen Gletschern nimmt das Schmelzwasser schon heute wieder ab, bei den grossen voraussichtlich spätestens ab 2050.

Wasser in der Kander

Wasser in der Kander
Die Grafik zeigt, wie sich die Anteile von Regenwasser sowie Schmelzwasser aus Schnee und Gletscher im Abfluss bei Kandersteg verändern, falls kein Klimaschutz erfolgt. Der Anteil des Regenwassers steigt deutlich von 54 auf 74 %.

Mehr Wasser im Winter

All diese Entwicklungen haben zur Folge, dass zukünftig nahezu alle Fliessgewässer im Winter mehr Wasser führen. Falls keine Klimaschutzmassnahmen ergriffen werden, nehmen die Winterabflüsse bis Ende des Jahrhunderts zwischen 10 und 50 Prozent zu. Im Sommer und Herbst dagegen vermindert sich der Abfluss gegenüber heute um 30 bis 50 Prozent. 

Die veränderten jahreszeitlichen Zuflüsse werden sich auch auf die Wasserstände in den Seen auswirken. Die gesamte Jahresabflussmenge vermindert sich jedoch voraussichtlich bloss um rund 10 Prozent. 

Auch die jahreszeitliche Dynamik von Grundwasserständen und Quellabflüssen verändert sich: Hoch- und Niedrigphasen werden ausgeprägter. Im Winter treten höhere, im Sommer tiefere Wasserstände und Abflüsse auf. Die Wasserwirtschaft muss sich auf diese veränderten Bedingungen einstellen.

Erwartete Abflussänderungen

Die Karten zeigen die voraussichtlichen Veränderungen der saisonalen Abflüsse für verschiedene Einzugsgebiete bis zum Ende des Jahrhunderts (2070–2099) im Vergleich zur Referenzperiode (1981–2010), falls kein Klimaschutz erfolgt.
Die Karten zeigen die voraussichtlichen Veränderungen der saisonalen Abflüsse für verschiedene Einzugsgebiete bis zum Ende des Jahrhunderts (2070–2099) im Vergleich zur Referenzperiode (1981–2010), falls kein Klimaschutz erfolgt.

Erwartete Veränderungen

  Mit Klimaschutz 
bis Ende Jahrhundert
Ohne Klimaschutz 
bis Ende Jahrhundert
Abfluss aus Schneeschmelze –0 bis –30 %  –30 bis –60 % 
Winterabflüsse –0 bis +20 %  +10 bis +50 %
Jahresabflüsse –5 bis +5 %  –0 bis –20 %
Möglicher Bereich der Veränderungen 2070–2099 gegenüber 1981–2010 (Bandbreite der Simulationen). 30-Jahres-Durchschnittswerte für die Schweiz auf 5% genau angegeben.

Die Kernaussagen finden Sie auch in der Hydro-CH2018 Broschüre, die in gedruckter Form oder elektronisch als Download erhältlich ist.  

Weiterführende Informationen

Dokumente

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Hydro-CH2018-Broschüre

Diese Broschüre zeigt auf, wie der Wasserhaushalt der Schweiz funktioniert und mit welchen Veränderungen gerechnet werden muss. Sie richtet sich an Anwender aus der Praxis.

Cover Synthesebericht

Auswirkungen des Klimawandels auf die Schweizer Gewässer

Der Bericht «Auswirkungen des Klimawandels auf die Schweizer Gewässer» bietet eine kompakte Übersicht über die Ergebnisse und ist ein Einstieg zu weiteren Fachinformationen und Daten.

Letzte Änderung 13.03.2021

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Kontakt

Bundesamt für Umwelt BAFU

Abteilung Hydrologie
Papiermühlestr. 172
3063 Ittigen

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www.bafu.admin.ch

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«In der Schweiz stammen fast 60 Prozent des Stroms aus Wasserkraftwerken. Flusskraftwerke entlang der grossen Flüsse können in Zukunft im Sommer weniger Strom produzieren, im Winter dafür mehr. Dies ist positiv, da besonders im Winter viel Energie gebraucht wird. Mit dem Verschwinden der Gletscher und dem leichten Rückgang der Jahresabflüsse wird insgesamt allerdings weniger Wasser für die Stromerzeugung vorhanden sein.»

Kraftwerksingenieurin Maja

https://www.nccs.admin.ch/content/nccs/de/home/klimawandel-und-auswirkungen/schweizer-hydroszenarien/kernaussagen/abfluesse-im-wandel.html