Risiken und Chancen des Klimawandels in den Grossräumen der Schweiz

Im Rahmen einer umfassenden Klimarisikoanalyse hat das Bundesamt für Umwelt die klimabedingten Risiken und Chancen für die sechs Grossräume Jura, Mittelland, Voralpen, Alpen, Südschweiz sowie grosse Agglomerationen dokumentiert und 2017 publiziert. Je nach Landesregion ergeben sich unterschiedliche Schwerpunkte bei der Betroffenheit durch den Klimawandel.

Die Risiken und Chancen pro Grossraum wurden mithilfe von acht Fallstudien untersucht (siehe: Weiterführende Literatur). Die
nachstehenden Aussagen zu klimabedingten Risiken beschreiben auf der einen Seite, wo Handlungsbedarf besteht bzw. was zu erwarten ist, wenn keine Anpassungsmassnahmen ergriffen werden. Durch geeignete Vorsorge lässt sich zumindest ein Teil dieser Risiken reduzieren. Auf der anderen Seite ergeben sich mit dem Klimawandel verschiedene Chancen. In zahlreichen Fällen können die damit verbundenen Potenziale für Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt aktiv gestaltetund genutzt werden.

Risiken und Chancen, die für alle Landesteile von grosser Bedeutung sind

In der ganzen Schweiz relevante Risiken sind:

  • zunehmende gesundheitliche Beeinträchtigungen infolge von Hitzewellen sowie neu oder vermehrt auftretender Allergien, Krankheitsüberträger und Infektionskrankheiten
  • häufigere Situationen von Wasserknappheit
  • zunehmender Energiebedarf für Kühlzwecke bei gleichzeitig verringerter Produktion von Wasserkraftanlagen im Sommerhalbjahr
  • zunehmendes Risiko von Sach- und Personenschäden durch Hochwasser, Murgänge, Steinschlag, Felssturz oder Hangrutschungen

Diesen Risiken stehen im ganzen Land auch Chancen gegenüber

  • weniger durch Kälte mitverursachte Erkrankungen
  • Abnahme von schnee- und eisbedingten Personen- und Sachschäden
  • abnehmender Heizbedarf im Winter

Gewisse Auswirkungen können nicht eindeutig den Risiken oder den Chancen zugeordnet werden. Dies betrifft vor allem

  • Veränderungen der natürlichen Bedingungen für Tiere, Pflanzen, Pilze und Mikroorganismen mit Auswirkungen auf die Ökosysteme, die Artenzusammensetzung und die genetische Vielfalt
  • Sturm- und Hagelschäden, bei welchen noch unklar ist, ob infolge des Klimawandels mit einer Zu- oder Abnahme gerechnet werden muss

Zusätzliche Risiko- und Chancen-Schwerpunkte in den einzelnen Grossräumen

Der Grossraum Jura ist besonders empfindlich gegenüber Trockenheit. Dies wirkt sich negativ auf die Landwirtschaft aus und erhöht die Waldbrandgefahr. Höhere Temperaturen begünstigen die Ausbreitung von Schadorganismen, was im Jura speziell die Waldgesundheit und die Holzqualität vermehrt beeinträchtigt. Gleichzeitig dürfte der Temperaturanstieg zu höheren Erträgen in der Landwirtschaft führen. Ein positiver Effekt ist bei steigenden Temperaturen auch für den Sommer­tourismus zu erwarten: Die Sommersaison dauert länger und höhere, kühlere Lagen werden als Erholungsgebiete attraktiver.


Im Mittelland erreichen die Maximaltemperaturen im Regionenvergleich überdurchschnittliche Werte. Da hier sowohl Bevölkerungs- als auch Arbeitsplatzdichte relativ hoch sind, fällt die reduzierte Leistungsfähigkeit bei der Arbeit verstärkt ins Gewicht. Auch Tiere sind in dieser Region durch hohe Temperaturen besonders stark belastet. Zudem vermehren sich unter solchen Bedingungen Schadorganismen stärker, was zu Einbussen in der Land- und in der Forstwirtschaft führt. Auf der Chancenseite ist hervorzuheben, dass die längere Wachstumsperiode Aussicht auf höhere Landwirtschaftserträge bietet.


Im Voralpenraum bewirkt der Temperaturanstieg, dass sich die Ausgangslage für Wintersportorte deutlich verschlechtert. Gleichzeitig gehört diese Region zu den Gebieten, die von attraktiver werdenden Bedingungen für den Sommertourismus profitieren. Auch die voralpine Landwirtschaft gehört dank längerer Sommer tendenziell zu den Gewinnern. Die Vitalität der Voralpenwälder hingegen ist vermehrt beeinträchtigt durch Perioden anhaltender Trockenheit, was den Befall mit Schädlingen begünstigt und die Produktions- und Schutzfunktion des Waldes vermindert.


Nur in den am höchsten gelegenen Gebieten der Alpenregion dürften die Voraussetzungen für den Wintertourismus auch längerfristig günstig bleiben. Weniger hoch gelegene Gebiete werden unter abnehmender Schneesicherheit leiden. Für sie bieten sich neue Chancen im Sommertourismus. Mit der kürzeren Schneebedeckung verbessern sich auch die Bedingungen für die Nutzung der Sonne als Energiequelle. Herausforderungen ergeben sich im Gebirge durch Naturgefahren, die mit der ansteigenden Permafrostgrenze zusammenhängen. Gleichzeitig sind die Schutzwälder insbesondere in den inneralpinen Tälern einem zunehmenden Waldbrandrisiko ausgesetzt.


Die Südschweiz zeichnet sich bereits heute durch hohe Temperaturen aus. Dadurch ist das Wohlbefinden an der Arbeit und in der Freizeit beeinträchtigt und das Auftreten neuer Krankheitsüberträger (z.B. Stechmücken) wird begünstigt. Diese Risiken dürften sich in Zukunft weiter verschärfen. Auch die Trockenheit ist eine Herausforderung, von der die Südschweiz noch stärker als bisher betroffen sein wird. Diese betrifft einerseits die Gefahr von grossflächigen Waldbränden. Andererseits führt sie zu Einschränkungen bei der Wassernutzung, zum Beispiel für die Energiegewinnung.


Für dicht bebaute Agglomerationsräume, wo die eingeschränkte Luftzirkulation den Temperatur­haushalt stark beeinflusst, sind weiter steigende Durchschnitts- und Maximaltemperaturen eine besonders grosse Herausforderung. Darunter leiden die menschliche Gesundheit und die Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz, aber auch die für die städtische Lebensqualität wichtigen Grünräume. Der zunehmende Bedarf an Kühlenergie steht dabei im Kontrast zu den im Sommer generell ungünstiger werdenden Bedingungen für die Energieproduktion aus Wasserkraft.

Weiterführende Informationen

Literatur

Letzte Änderung 21.11.2018

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